Virtual Reality im Close Up

| Autor: Johannes Schmülling | Fotos: Pia Henkel

»Silent Disco« ist eine 45-minütige Virtual Reality Experience, die ich zusammen mit Regisseur Fabio Thieme realisiert habe. Unsere Vision nahm während der Vorproduktion immer mehr Form an: Das verbindende Element der Filme sind die durch die Zuschauenden in Virtual Reality erfahrbaren Ekstasezustände vor dem Hintergrund der eigenen Vergänglichkeit. Fabio und ich sind der Auffassung, dass beides sehr ähnliche Zustände sein können. Mehr zum Inhalt des Projekts gibt es auf der Projektseite von »Silent Disco«.
Die handwerkliche Herausforderung bestand darin, eine möglichst intensive Immersion zu erreichen. Dazu war es inszenatorisch nötig, unsere Schauspielenden auch in sehr naher Distanz mit der Kamera interagieren zu lassen.

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Aus zahlreichen VR-Drehs für eine Bundesbehörde habe ich die Erfahrung mitgenommen, dass herkömmliche stereoskopische 360 Kameras schlecht im Close-Up funktionieren und häufig ein Mindestabstand von 1,5 Metern erfordern.
Schon Monate bevor ich für »Silent Disco« angefragt wurde, stand ich in Kontakt mit Arne Stadler, damals Segment-Manager bei Canon EMEA, und führte diverse Test mit der Canon Dual Fisheye RF 5,2mm Optik durch. Die Optik bietet den Vorteil, das Schauspielenden mit einem Close-Focus von nur 20cm mit der Kamera interagieren können und sie mit einem beliebigen Kamerabody kombiniert werden kann.
Unsere Mindestanforderung war eine Auflösung von 8k (4k pro Auge bei 200 Grad), 50fps sowie ein hochwertiger Codec. Es stand noch eine weitere Kamera zur Auswahl, die uns 8k mit 120fps geliefert hätte, letztendlich ist unsere Wahl jedoch auf die Canon R5C gefallen, da sie einen kleinen Body aufweist, welcher für unser Rig nötig war. Eine Dual-Gain-Sensorauslesung wäre perfekt gewesen: Für uns war dieser Punkt jedoch nicht entscheidend, da wir ausschließlich in kontrollierten Lichtsituationen drehten. Die R5C kombinierten wir mit einer monoskopischen 360 Grad Kamera. Für das Canon Footage baute ich ein Template, um die vollen 200 Grad extrahieren zu können. Anschließend wollte ich das Footage in Davinci Resolve Fusion stitchen. Abgerundet wurde das Konzept durch 3rd Order Ambisonics Audio, für das unser Sounddesigner Istvan Hollos verantwortlich war.
Es war schön zu sehen, dass das Team um Kameraassistentin Teresa Marakova und Oberbeleuchter Jakob Schleiter sich so schnell auf das Kalibrieren der Stereoskopie und das Leuchten in Virtual Reality begeistern konnte. Insgesamt waren über 30 Menschen vor und weitere 30 Menschen hinter der Kamera an dem Projekt beteiligt.
Das Projekt haben wir an drei Drehtagen (und einen Vorleuchttag) in Berlin abgedreht. Es wurde durch die experimente#digital Förderung der Aventis Founddation finanziell unterstützt. Ebenso möchten wir uns herzlich für die Unterstützung bei ARRI Rental Berlin, ARRI Rental München und Canon Deutschland bedanken! Mehr zu »Silent Disco« in der aktuellen Ausgabe von Film & TV Kamera 9.2023.